„Es ist uns gelungen, das älteste Gräberfeld Deutschlands aufzuspüren“, verkündete Prof. Terberger voller Freude und Stolz. „Der Fundplatz wird unser Wissen über die Mittelsteinzeit revolutionieren“.

In der archäologischen Fachwelt ist Groß Fredenwalde in der Uckermark, Brandenburg, schon seit den 1960er Jahren als wichtiger Fundplatz bekannt. Dort waren 1962 bei Bauarbeiten auf dem Weinberg zufällig gut erhaltene Skelettreste entdeckt worden. In einer Notuntersuchung konnten

Luftbild J. Wacker

mehrere Individuen dokumentiert werden, die aufgrund von Beigaben wie Tierzahnanhängern und rot gefärbter Erde als steinzeitliche Beisetzung identifiziert wurden. In den 1900er Jahren konnten die Menschenreste mithilfe der 14C-Methode in die jüngere Mittelsteinzeit (7. Jahrtausend v.Chr.) eingeordnet werden.Jahrzehnte nach der Entdeckung hat ein Team um Prof. Thomas Terberger im Jahre 2012 die Forschungen am Fundplatz wieder aufgenommen. Bei Nachuntersuchungen in der alten Baugrube wurden überraschend mindestens drei weitere Bestattungen entdeckt. Die neuen menschlichen Überreste sind nicht nur ausgezeichnet erhalten, sondern die Gräber liefern auch Belege für außergewöhnliche Bestattungen.

Baby Bestattung Foto: B. Jungklaus

Im Jahre 2014 konnte ein Kleinkindgrab geborgen werden, das zu den ältesten Babybestattungen Mitteleuropas gehört. In einem weiteren Grab wurde offensichtlich ein junger Mann in aufrecht stehender Position beigesetzt. Diese ungewöhnliche Beisetzungsform ist ohne Parallele in Mitteleuropa.

Die bislang entdeckten Gräber gehören nach ersten paläogenetischen Untersuchungen zur mittelsteinzeitlichen Urbevölkerung, die als Sammler-Jäger-Fischer in der gewässerreichen Uckermark lebten. Die Datierungen zeigen nun, dass die Gräber in die Zeit vor und nach der Ankunft der ersten Bauern der Linienbandkeramik in der Uckermark um 5.300 v.Chr. gehören. Nach neuen Forschungen sind die sogenannten Linienbandkeramiker nach Mitteleuropa eingewandert und in der Uckermark existierten im späten 6. und 5. Jahrtausend v.Chr. über Jahrhunderte zwei Populationen mit unterschiedlicher Lebens- und Wirtschaftsweisen nebeneinander.

Die neuen Untersuchungen auf dem Weinberg lassen vermuten, dass dort weitere Gräber im Boden liegen und der Bestattungsplatz größer ist als die bislang untersuchte Fläche. Doch schon jetzt ist klar, dass es sich ein bewusst angelegtes Gräberfeld handelt, was ein Novum in dieser Zeit und auf Anfänge von Sesshaftigkeit hinweist. Damit spielt der Fundplatz für die Forschungen zur Mittelsteinzeit und die Phase der Einführung und Etablierung der Landwirtschaft in Mitteleuropa eine herausragende Rolle.